As-salâm *alay-kum ya Cacher, der Friede sei mit euch ihr Cacher!
Ich, LoopyLandscape, melde mich hier aus Amman, der Hauptstadt Jordaniens und zugleich mein zu Hause während meines elfmonatigen Ersatzdienstes. Ganz erstaunt komme ich selbst im Nahen Osten zu den Vorzügen des Geocachens und auf Anfrage von Stefan habe ich mich sehr geehrt gefühlt, hier im berühmten Logbüchle ein paar Worte über unsere allerliebste Nebenbeschäftigung, speziell im Orient, zu schreiben.
Vorneweg möchte ich erwähnen, und das kann man auch an meiner Statistik sehen, dass ich noch sehr unerfahren in der Schatzsuche bin und meine ersten Caches in Deutschland und auch einen Großteil hier unten lediglich anhand von Bildern aus Google Earth und den jeweiligen Spoilern gefunden habe. Nehmt es mir nicht übel. Wenn ich wieder in Deutschland bin, werde ich mir ein GPSr gönnen.
In Jordanien gibt es mittlerweile 24 Geocaches (Stand: 17. Februar 2009), die sich allesamt lohnen, da sie wirklich ganz gezielt von den jeweiligen Ownern, wohlgemerkt allesamt nichtjordanischer Herkunft, an den wichtigsten und schönsten Plätzen des Landes ausgelegt wurden. Wenn ich an die „verseuchten“ Gebiete bei uns in Deutschland denke, dann ist das schon sehr angenehm für einen Hobbycacher wie mich. Wer das Land bereist, kann eigentlich fast alle 24 Caches mit gutem Gewissen einbauen, ohne irgendwelche Ausreißer des Caches wegen unternehmen zu müssen. Von den 24 Verstecken sind 23 Tradis und lediglich der neuste ist ein kleiner Multi von zwei Stages. Gemütliches Cachen ist hier in Jordanien also angesagt, genau wie die Mentalität der arabischen Welt. Die Verstecke sind nicht von technischer Raffinesse, aber das ist auch nicht deren Anspruch. Vielmehr geht es darum, kulturhistorische oder landschaftlich ansprechende Plätze aufzuzeigen. Wenn man sich einmal die Logs anschaut, dann fällt einem auf, dass kein Jordanier jemals von Geocaching gehört hat. Ich behaupte mal, zu 90 % sind hier Touristen am Werk. Angesichts der wirklich armen und schwierigen Lebensverhältnisse mehr als verständlich. Was will schon ein Beduine mit Geocachen anfangen?
Meine zwei schönsten Caches in Jordanien waren zweifelsohne Hot Springs Hike of Wadi Ma’in und The Lawrence of Arabia Cache. Bei ersterem hätten wir als Gruppe niemals so eine tolle Tour gemacht, wenn dort kein Cache gelegen hätte. Im Reiseführer ist dieses Wadi, was so viel heißt wie Canyon, nicht geführt. Das war in meiner bisherigen jungen Cacherkarriere wirklich der actionreichste und coolste aller Caches. Man betritt das Wadi direkt von der Küste des Toten Meers und wandert durch eine atemberaubende Schlucht, in der das Wasser aus den heißen Quellen des Hammamat Ma‘in an einem vorbeizieht. Teilweise knöcheltief, teils hüfttief watet man immer weiter nach Osten. Das Hineinwandern führt einen drei Stunden an brausenden Wasserfällen und natürlichen Wasserbecken vorbei, die großzügig zum Baden einladen. Der Final hat am Ende wirklich den Namen Final verdient, da man auf zwei mächtige Poolbecken in unterschiedlichen Ebenen stößt, die durch einen wunderschönen Wasserfall miteinander verbunden sind. Dort kann man wagemutig direkt am Wasserfall 6 Meter ins höher gelegene Becken klettern und von dort wieder hinunterspringen.
Letztes Wochenende war ich für drei Tage auf der anderen Seite des Jordans in der Heiligen Stadt Jerusalem. Dieses Mal hatte ich mir durch einen Bekannten das Garmin GPSmap 60CS ausgeliehen. War zunächst einmal sehr ungewohnt, plötzlich auf dieses Gerät zu hören, zumal mir der rote Pfeil im Kompass des öfteren einen Streich gespielt hat und in die falsche Richtung zeigte. Das sehr europäisch geprägte Israel hat weitaus mehr Geocaches zu bieten – 115 an der Zahl (Stand: 17. Februar 2009). Vier schöne habe ich in Jerusalem gehoben, die allesamt in der Weststadt lagen. In der Altstadt wäre ein Cache lebensgefährlich und mehr als fehl am Platz. Es gibt zum Glück auch keinen. Dort herrscht nicht ohne Grund eine erhöhte Anspannung aufgrund von radikalen Eiferern.
Vor kurzem habe ich auch meinen besten jordanischen Kumpel mit zum ersten Multicache im Haschemitischen Königreich genommen. Der wusste erst mal nicht wie ihm geschieht. Er konnte mit meiner englischen Beschreibung im Grunde genommen nichts anfangen. Brav ist er halt mir und meinem Mitvolontär hinterher gedackelt und hat sich auf das Abenteuer eingelassen. An der ersten Dose mit den zugehörigen Finalkoordinaten war er so verblüfft, dass es ihm die sogleich Sprache verschlagen hat. Nach kurzer Zeit meinte er: „Who put this over there? Hey man, WHO put this over there?” Ihr kennt es alle, dann muss man sehr viel Z eit mitbringen, um unser Hobby würdig zu präsentieren. Gemeinsam bastle ich jetzt mit ihm an einem eigenen Tradi, den wir vor unserer Schule, an der ich arbeite und er seine Ausbildung macht, legen werden. Außerdem stehen noch zwei große Reisen dieses Jahr für mich an, bei denen ich mindestens einen Cache pro Land holen möchte: Der Libanon (aktuell 6 Geocaches) und Ägypten (aktuell 94 Geocaches). Auf meiner Syrienreise im Dezember 2008 konnte ich leider mangels GPSr nichts fischen.
Ich denke viele Leute in Deutschland haben ein durch die Medien verzerrtes Bild vom Nahen Osten und hätten Angst, sich hier aufzuhalten. Ich kann dagegen sagen, dass es sehr lohnenswert ist, sich diese Kultur einmal genauer anzuschauen und sich seine eigene Meinung, fernab von CNN, zu bilden. Als Cacher kann man dabei wirklich schöne kleine Mikros und Smalls auf seiner Reise einsammeln. Voraussetzung sollte aber ein Auto sein, um ein kleines bisschen mobil zu sein. Für mich ist das als Volontär eine große Schwierigkeit, denn nicht zu allen schönen Plätzen fährt der Bus
Wer mehr über meine Volontärstätigkeit in Jordanien erfahren möchte, der kann sich gerne auf meinem Blog im Internet unter www.orientierung.wordpress.com umsehen.
Liebe Lilly, lieber Stefan, it was a pleasure. See you in Germany and happy caching.
Ma*a s-salâma, auf Wiedersehen.
Nur das Beste, LoopyLandscape
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Moin Moin aus Hamburg nach Amman,
klasse Bericht! Der macht Lust auf mehr :razz:
Ich liebe auch den Orient und war schon etliche Male dort. Hauptsächlich war ich bisher in Ägypten, 2 x in Jordanien und 1 x in Israel. Glücklicherweise hatte ich mein GPS immer mit und konnte ein paar wenige Dosen suchen gehen. Leider war ich meistens mit Gruppen unterwegs, so dass sich das Suchen auf die Plätze beschränkte, die wir dann sowieso angefahren waren. In Jordanien konnte ich nur den Cache in Petra heben, in Israel war ich zu Fuß unterwegs und konnte gar keinen heben.
Ich plane schon seit Jahren eine Syrien-Jordanien-Rundreise zu machen, allerdings mit einer Reisegruppe. Als Frau möchte ich dort nicht alleine reisen :sad: In diesem Jahr würde es mir sehr gut passen. Mal schauen, ob ich dann Dosen suchen gehen kann. Wäre natürlich klasse.
Ich werde mal schauen, was es in Jordanien noch für Caches gibt, aber dein Tipp mit der Schlucht war super. Ich denke aber, dass ich sowas mit der Studienreisegruppe nicht machen kann. Über weitere Infos wäre ich dankbar!
Grüße,
Annett aka alligateuse
18. Februar 2009 um 11:35 Uhr
Toller Artikel. Wenn ich bisher an Geocaching im Nahen Osten dachte, wozu ich jetzt der Einfachheit halber auch mal die Türkei zähle, sah ich immer Bilder vor mir, wie ich von schwer bewaffneten Polizisten oder Soldaten als vermeintlicher Extremist oder Spion abgeführt werde und in einem der berüchitgten Gefängnisse lande. So finde ich es schön zu hören, dass es durchaus möglich ist, auch in diesen Ländern ungestört Cachen zu können. Nach Petra wollte ich ja schon immer mal.
18. Februar 2009 um 13:05 Uhr