Vor genau 197 Tagen haben wir unseren ersten selbsterkletterten T5-Klettercache geloggt. Dies ist die Geschichte dazu:
Als wir im Frühjahr 2008 einen Grundkurs in einer Kletterhalle gemacht haben, da waren wir zwar schon Geocacher, der Grund für den Kurs waren aber kletternde Muggelfreunde.
Mir hat das überhaupt keinen Spaß gemacht! Es erwartete uns ein zwar kompetenter, aber zwanghaft witziger Ausbilder, der aussah, als wäre er direkt von einer durchzechten Party in die Halle gekommen, dazu nicht passende Leihkletterschuhe und ein sehr gemischter Haufen (Erfahrung). Kurzum, der Tag war insgesamt eine tolle Erfahrung, der mir aber schmerzende Füße und die Erkenntnis bescherte, dass Fels-, bzw. Hallenklettern nicht mein Ding ist. Gut, das war vor über einem Jahr…
Gebracht hat uns der Kurs aber trotzdem etwas, nämlich eine erste Erfahrung in Gurt und Seil und die Erkenntnis, wie schnell man sich beim Klettern überschätzen kann.
Lilly hat es allerdings großen Spaß gemacht und inzwischen war sie auch schon mehrfach in Hallen klettern. Sie hat das ganze Thema irgendwie nie so ganz losgelassen, aber der finanzielle Aufwand für das ganze Klettergeraffel hat schließlich andere Dinge erstmal wichtiger erscheinen lassen.
Als wir dann im Dezember 2008 zufällig schnitzel… auf einem Weihnachtsevent in Pforzheim trafen, hat Lilly kurzerhand für eine kleine Einführungsexkursion im Januar 09 zugesagt.
Am 01. Februar 2009 war es dann so weit, eine kleine Truppe, bestehend aus neun Personen, inklusive schnitzel…, traf sich am Parkplatz. Bepackt mit allerlei Ausrüstung (wir hatten noch nicht mal einen eigenen Gurt, dafür aber Kuchen im Gepäck), ging es durch den eiskalten Wald bis zur Astgabel 18, einem also doch schon etwas höheren Baumcache. Einige Teilnehmer hatten schon einen eigenen Gurt und andere Ausrüstungsgegenstände dabei, aber schnitzel… war zum Glück gut bestückt. ;-)
Vor Ort wurden wir zuerst über verschiedene Möglichkeiten zum Seil-in-den-Baum-bring-Techniken belehrt und einige durften sich mal am vertikalen Sackwerfen probieren. Wie kaum anders zu erwarten blieb es beim Versuchen, denn der blöde Sack wollte partout nicht in die gewünschte Astgabel.
Also durften wir an unserem ersten Baum gleich mal eine BigShot in Aktion erleben. Beeindruckend. Da war die Pilotschnur natürlich schneller im Baum, als man „wow“ rufen kann. Schnitzel… baute dann gleich zwei Seile in den Baum, damit später immer jemand bei uns Anfängern oben sein konnte.
Bevor es aber ins Seil ging, wurde es theoretisch. Richtiges Anlegen des Gurts, wie funktioniert ein Karabiner, wozu braucht man Bandschlingen, was ist ein Prusik, wie geht das mit den Aufstiegshilfen, was für Knoten macht man ins Seil und wozu, da wurde gleich auch eines der wichtigsten Teile beim Kletter aufgewärmt: Das Gehirn!
Dann ging es endlich ins Eingemachte, die Ersten durften sich ins Seil hängen. Aber nur in ein bis zwei Meter Höhe, denn zuerst musste der Umbau zum Abseilen geübt werden. Erst wenn wir das sicher beherrscht haben, ließ uns schnitzel… zur Dose. Lilly beschloss nach ihrem Versuch, dass für sie an diesem Tag der Baum eine Nummer zu hoch sei. Ob sie da schon geahnt hat, was sie (wir) in Zukunft noch so alles erleb(en)t? ;-)
Irgendwann war ich dann an der Reihe und durfte zu Erik in den Baum, der wartete schon an der Dose. Es dauerte eine ganze Zeit, bis ich völlig außer Atem bei ihm ankam. Ich musste dann als erstes meine Standplatzsicherung einbauen, was mir später fast zum Verhängnis wurde. Erst jetzt konnte ich in aller Ruhe, aber immer noch keuchend, unseren ersten Klettercache loggen. Was für ein berauschender Moment. Einfach nur geil!
Danach sollte ich fürs Abseilen umbauen, genau so wie viel weiter unten vorher geübt. Mit etwas geduldiger Anleitung durch schnitzel… klappte das prima und nachdem die Prusik saß, wollte ich das erste Mal alleine Abseilen. Aber ich kam nur wenige Zentimeter weit, man ahnt es schon, genau, ich hatte die Standplatzsicherung vergessen. Jetzt war ich plötzlich völlig überfordert, wusste nicht mehr ein noch aus, ein leichtes Panikgefühl kam auf. Aber zusammen mit Erik ließ sich das Problem mit einigem Kraftaufwand schließlich lösen und ich hatte nach wenigen Sekunden wieder festen Boden unter meinen zittrigen Beinen. Im Nachhinein war diese Erfahrung viel wert, denn seither prüfe ich alles doppelt und dreifach bevor ich etwas mache.
Das war also unsere Einführung ins Baumklettern und unser erster selbst geloggter Klettercache. Inzwischen sind 79 weitere dazu gekommen, darunter auch Türme, Höhlen, Felswände und Brücken. Viele dieser T5-Caches gehören zu den größten Highlights unseres Cacherlebens.
Ein Cacher, der noch nie selbst erlebt hat, wie es ist ein Logbuch in schwindelnder Höhe zu signieren, kann nicht verstehen welche Faszination dahinter steckt. Vielleicht ist das ein Grund für ihre ablehnende Haltung? Viele, die es mal versucht haben, änderten ihre Meinung ganz schnell. Geocaching ist im Allgemeinen ein sehr vielschichtiges Hobby, die überaus unterschiedlichen Menschen und Charaktere, der Outdoorgedanke, die geistigen Herausforderungen , die gezeigten Orte und Landschaften, jetzt kommt eben auch noch eine körperliche Komponente hinzu, die persönliche Grenzen in Bereiche verschiebt, die man vorher nie für möglich gehalten hätte.
Man sollte doch eigentlich nicht verteufeln was man nicht kennt, trotzdem müssen wir uns oft fast schon rechtfertigen. Das ist wirklich schade, denn schließlich drängen wir keinem auf, es uns gleich zu tun, aber natürlich berichten wir hier im Blog und auch im Podcast über unsere Abenteuer abseits von schnöden Leitplanken und Wegwerfdosen. Die Zugriffszahlen unserer T5 Videos zeigen mir aber deutlich, dass wir damit nicht ganz falsch liegen.
Viele denken, wir würden nur noch klettern, aber das stimmt nicht. Wir mögen es weiterhin schöne Multis zu machen oder auch mal viele Kilometer zu wandern, auch größere Tradi-Runden werden wieder kommen. Und wir mögen es sehr auf Events nette Leute kennenzulernen und zu treffen. Aber der besondere Kick sind nun mal die Kletteraktionen.
Mal sehen was wir noch alles erleben werden…?
…und hier noch ein paar Bilder von unseren T5er Touren:











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Klasse Artikel, hat Spaß gemacht ihn zu lesen. Gleich mal zu den Videos klicken ;)
17. August 2009 um 18:55 Uhr
warum zeigt die frau auf dem ersten foto mir beim betrachten einen stinke-finger?

mfg M.B.
17. August 2009 um 22:02 Uhr
@M.B.
Die Frau hat einen Namen, sie heißt Lilly und ist mein Schatz. Das Zeichen galt einem dummen Spruch von mir, keine Ahnung warum du das auf dich beziehst?
17. August 2009 um 22:37 Uhr
@Stefan
Bei dem Bild unter der Bachsteinbrücke sieht man einen Gurt, als eine Art “Seilbahn” was für einen Gurt benutzt ihr (muss ich mir auch noch zulegen)??
18. August 2009 um 10:05 Uhr
@Commander112
Ich weiß jetzt nicht genau welches Bild du meinst, aber die “Seilbahn” auf dem letzten Bild ist ein 20m LKW Spanngurt mit Ratsche, 5cm breit und bei Ebay für ein paar Euro ersteigert. [Link]
18. August 2009 um 10:30 Uhr
Genau den meinte ich!!
Danke für die Hilfe.
Gruß
Commander112
18. August 2009 um 12:50 Uhr
Das letzte Foto … Von welchem Cache ist das. Sieht nett aus …
Greetz
22. August 2009 um 19:39 Uhr
@panisa
Das ist der Cache “Die Inspektion” GC1V06F
23. August 2009 um 13:21 Uhr
Wow, da habt ihr in kurzer Zeit ganz schön was gerissen ;-) Schön zu lesen übrigens – da gibt’s die eine oder andere Parallele… Photonshunter hat uns irgendwann auch mit “lass mal in die Halle gehen und nen Kletterkurs machen” in den Ohren gelegen. Mein erster Gedanke war so was wie: “Wozu denn das noch…?”
Naja, was soll ich sagen, rund 40 T5-Funde später hat sich die Frage von selbst beantwortet.
Was macht ihr eigentlich anlässlich Eures 100sten T5ers?
Viele Grüße
Jake.de
24. August 2009 um 20:25 Uhr
Schöner Artikel! Musste reüssierend feststellen dass ich zwischenzeitlich bestimmt schon 15 Teams in “ein bis zwei Meter Höhe” den “Umbau zum Abseilen” gezeigt habe ;) Ganz ähnlich fing es bei uns an, als nämlich plötzlich ein T5 vor Tür lag, die Rüdesheimer Nordwand. Versuche starteten mit einer Strickleiter, was aber zu haarig war. Dann haben wir halt ein Seil und einen Gurt gekauft. Vor Ort an der Wand haben wir dann nach Wikipedia-Artikel versucht einen Achterknoten zu binden….
Ein Jahr später sind die Abläufe fast schon standardisiert und eine gewisse Ruhe und Routine kommt auch bei größeren Höhen und Tiefen rein. Faszinierend ist nach wie vor und mit steigenden Skills das Gefühl, fast jedes Hindernis mit ein bis zwei Rucksackladungen Geraffel bezwingen zu können
2. September 2009 um 08:55 Uhr